Planänderung
Eigentlich ein toller Abschluss für Südamerika. Den Kontinent per Segelschiff zu verlassen. Trotzdem bin ich ein wenig traurig hier weg zu fahren. Die letzten 11 Monate waren einfach fantastisch und ich hätte keine Probleme noch ein weiteres Jahr hier zu verbringen…….
Aber nun liegt Mittelamerika vor mir.
Die ersten 2 Tage auf See sind linde gesagt “etwas” schaukelig!
4-5 Meter hohe Wellen und Wind direkt von hinten bewirken, dass das Boot jeh 40 Grad zu beiden Seiten schwankt!Als eindeutige Landratte ist das zuviel für mich und ich liege quasi die ganze Zeit an Deck, da es dort besser zu ertragen ist als unter Deck!
Nachts muss ich mich jeh für 2 Stunden aufraffen und die Nachtwache übernehmen.Geräte kontrollieren, Kurs überprüfen und nach anderen Schiffen Ausschau halten!
Als wir die Küste erreichen bin ich ziemlich geschafft!
Aber nach ein wenig ruhe geniesse ich den Trip von da ab in vollen Zügen!
…kleine verlassene Palmeninseln und kristallklares Wasser zum schnorcheln.

Zwei Tage verbringen wir rund um das Archipel San Blas. Karibiktraum pur!
…und erst die Sonnenuntergänge…
Die Pässe werden auf einer kleinen Insel in Porvernir gestempelt. Es ist zwar Feiertag, aber die zuständige Beamtin hat die Stempel in einer Schublade deponiert…..ist halt alles etwas anders auf so einer Karibikinsel!
In Puerto Lindo angekommen geht das Ausladen des Zebras ohne Probleme vonstatten.
Allerdings ist Unabhängigkeitstag (gegenüber Kolumbien) und der Zoll ist für 4 Tage geschlossen.So dauert es ein wenig, bis ich die benötigten Papiere bekomme und weiter entlang der Küste und dann schwupps zum Pazifik nach Panamacity kann.
Dort angekommen schaue ich mir den Kanal an!Bis zu 150.000 Dollar kostet die Passage für die grossen Schiffe!Gegenüber der Alternative um Kap Horn zu fahren allerdings immernoch billiger!
Erstmals wurde die Idee eine Verbindung vom Pazifik zum atlantischen Ozean zu bauen 1523 von den Spaniern gefasst.
Von 1881 bis 1889 haben sich dann die Franzosen daran versucht. Malaria, Gelbfieber und andere Krankheiten haben in dieser Zeit 22.000 Menschen das Leben gekostet(7,5 pro Tag!!!!!!)
Letztendlich wurde das Vorhaben aufgegeben.
Die Amerikaner versuchten es erneut und stellten den Kanal 1914 fertig! In den 70er Jahren wurde er dann an die Panamenier übergeben.(Um auch mal ein paar Informationen zu liefern:-))
Aber abgesehen von Kultur und einer Menge Museen hat Panama natürlich noch mehr zu bieten!
Und da der amerikanische Einfluss sehr stark ist , verbringe ich ein paar Tage damit in Shoppingmalls rumzustöbern, gehe mal wieder ins Kino und sogar bowlen.

OK, man könnte jetzt sagen, dass man das ja auch zu Hause machen kann…….aber nach etlichen Monaten ohne diese Möglichkeiten ist es einfach schön, mal “normale Sachen” zu machen!
Allerdings gibt es in Panama keine Strände und nachdem ich auf der Segeltour “Blut” geleckt habe, zieht es mich wieder über eine schöne Bergstrasse zurück an die Karibikküste.


Bocas del Torre ist mein Ziel.Kleine Inseln durch Wassertaxis miteinander verbunden und vielen, vielen einsamen Stränden.

Auf dem Weg dorthin verlässt mich mein Glück was Polizeikontrollen angeht und ich werde via Laserpistole geblitzt.Und ich soll 60 Dollar Strafe zahlen. Wir reden ein wenig und ich frage, ob ich nicht ein bisschen weniger bezahlen könnte. Er fragt mich was ich denn bezahlen möchte…..25 Dollar?, antworte ich.
Als ich ihm das Geld gebe steckt er seinen Quittungsblock weg, steckt die 20 Dollar ein und gibt mir mit einem Lächeln 5 zurück.
Dann fährt er weg…
Jetzt weiss ich wenigstens wieviel “Schmiergeld ich bezahlen muss, falls ich nochmal geblitzt werden sollte……aber die Zeiten in denen ich sagen konnte, dass ich noch NIE etwas bezahlen musste sind wohl vorbei.
Aber zurück nach Bocas…
Oh, und Nationalfeiertag die 4.! In Panamacity gabs nämlich noch den Feiertag”erste Schrei nach Unabhängigkeit” und eine Woche später Unabhängigkeitstag gegenüber Spanien.
Jetzt wird die Unabhängigkeit der Provinz Bocas gefeiert.
Das ganze geht natürlich nie ohne endlose Paraden von statten…….insgesammt also 4 mal Unabhängigkeitstag innerhalb 2 Wochen!

Vielleicht keine schlechte Idee, hier zu leben…..
In einem kleinen Restaurant am Strand lerne ich Amy aus den Staaten kennen. Sie hütet ein Haus hier in der Nähe und lädt mich ein, bei ihr zu wohnen.
Ein tolles Anwesen direkt im Dschungel mit Blick aufs Meer.

Zwar fängt es am nächsten Tag an zu regnen und hört für die nächsten Tage auch nicht mehr auf, aber wir vertreiben uns die Zeit mit Kartenspielen, fangen an eine Hängematte zu knüpfen und ich “erlege” meine erste Kokosnuss mit der Machete!


Morgens werden wir von den Brüllaffen geweckt und Abends gibt es bei Kerzenschein ein wenig Musik mit Hilfe der einzigen Batterie…….
Als ich 3 Tage später wiedr los will, ist die Strasse am Strand mehr oder weniger überspült und es liegen Baumstämme quer, so dass ich noch einen weiteren Tag warten muss.
So sah die Strasse übrigens 2 Tage vorher aus…

Zwar regnet es noch immer, aber der Wind hat etwas nachgelassen und der Sand ist hart genug, dass ich schliesslich die Asphaltstrasse erreiche und Bocas mit der Fähre verlassen kann.Ausser der Fähre nach Bocas gibt es in Almirante eigentlich recht wenig.Ein kleines Örtchen am Festland.
Beim Spaziergang entdecke ich allerdings einen Containerhafen, der so gar nicht hierher passen will!
Dass einzige was von hier aus exportiert wird sind Bananen!!!!
Genaugenommen nur Chiquita Bananen!Die netterweise gleich in blaue Säcke hineinwachsen….
Also beim nächsten Supermarkteinkauf Chiquitas nicht vergessen…;-)
Vor dem Regen weiterhin flüchtend gehts über die letzte Grenzbrücke und ich bin in Costa Rica.

Am Strand lasse ich die Idee des Campens fallen, (es regnet immernoch) und so miete ich mich in einer kleinen Cabaña ein.
Am nächsten Tag bin ich heilfroh über diese Entscheidung, da die “Campingwiese” am nächsten Tag so aussieht:
dagegen siehts vor meiner Cabaña doch noch gut aus!:

Zwar sagt der Reiseführer, dass die Regensaison fast zuende ist, aber hier erfahre ich, dass das nur die Pazifikküste betrifft. Hier auf der Karibikseite fängt sie erst an!!!!!!!!!
Und dann kann es schon mal ununterbrochen für 3 Monate regnen!
Dschungel und Karibikküste hin oder her, dass ist dann doch zuviel und ich flüchte zurück an die Pazifikseite.Unterwegs sind einige Strassen überflutet und bei dem Versuch durchzufahren wird ein Auto einfach weggeschwemmt….
OK, wie immer sieht es auf Fotos nicht halb so schlimm aus, aber ich hab mich schon besser gefühlt beim Motorradfahren und war heilfroh, als ich auf der anderen Seite war!
Klitschnass in den Bergen angekommen, erzählt man mir, dass es dieses Jahr ungewöhnlicherweise auf beiden Küstenseiten regnet. Und das seit 7 Tagen ununterbrochen….SO hab ich mir das hier in Mittelamerika nicht vorgestellt.
Aber eine gute Spürnase
hat mir gesagt, dass es in zwei Tagen besser wird!
Und immerhin gibt es eine heisse Dusche im Hotel.
Und diesmal sogar ein ziemlich sicher aussehendes Exemplar der Klasse Elektrodusche!
Die Drähte sind sauber verlegt und verschwinden in der Wand. Wenn man nämlich während des duschens plötzlich einen elektrischen Schlag bekommt und dann feststellt, dass die Drähte am Duschhahn angeklemmt sind ist das nicht wirklich angenehm!
Weitere Einzelheiten oder korrekte Verhaltensweisen in diesem Fall vielleicht später!Die Testreihe ist nämlich noch nicht abgeschlossen!
Durch den anhaltenden Regen wollte ich dann eigentlich Costa Rica auf schnellstem Wege verlassen und nur noch schnell einen Cafe und Kuchen in einer deutchen Bäckerei verspeisen.Aber wie das manchmal so ist, kam alles anders.
Der Besitzer Tom ist selbst begeisterter Motorradfahrer und wir kamen ins Gespräch.Beim erzählen meiner Pläne und der Absicht vielleicht irgendwo zu arbeiten und mal eine Auszeit vom Reisen zu nehmen wurde er hellhörig und ein paar Stunden später hatte ich einen Job!
Wer kann bei der Aussicht mal wieder gutes Brot, Käse und andere leckere Dinge wie Spätzle und Schweinebraten zu essen auch wiederstehen?????
Wer neidisch werden will:
www.tomspan.com
Werde mal sehen, wie mir das Arbeiten nach über einem Jahr so bekommt!Ok, die ersten Tage waren schon anstrengend, aber ich werd mich schon wieder an ein “normales” Leben gewöhnen;-)
Und morgens mit solch einem Ausblick auzuwachen hat ja auch was!

































