Abschied und warten,warten,warten
Nach den anstrengenden Pisten geniesse ich die Asphaltstrasse und langsam gehts weiter Richtung Paso Desecho und damit wieder Richtung Argentinien (zum 6. Mal uebrigens)
Die Landschaft ist geprägt durch farbige Berge und immer wieder sieht man den fast 3000 m hohen Vulkan Antuco. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie schnell sich die Landschaft um einen herum verändert.
Der Pass entpuppt sich zwar als sandige Piste mit vielen Flussdurchfahrten, aber nach den letzten Tagen kann ich darüber nur müde lächeln
Nur die ständig nassen Fluesse sind etwas lästig!
In Bardas Blancas hiess es dann nach drei Monaten Abschied von Ali zu nehmen.
Natürlich nicht ohne einen letzten Abend mit Bier und Uno spielen. Und nicht ohne noch mal die letzten Monate Revue passieren zu lassen. Aber wie sagt man so schön: Wenns am schönsten ist, soll man aufhören….
Etwas traurig fahre ich mit Sebastian weiter Richtung San Rafael.
Wir hatten die Idee dort ein paar Tage Pause auf einer Farm, die von John und Anette (ein englisches Paerchen, das sich nach ihrer Weltreise hier sesshaft gemacht hat) geführt wird, Pause zu machen.
Leider hört sich mein Zebra bei der Ankunft nicht wirklich gut an und meine Seitentasche hat ein grosses Brandloch… aber ich ignoriere erst mal alles und freue mich auf der Farm ein paar bekannte Gesichter wiederzusehen.
Allerdings widmet sich das allgemeine Interesse bald meinem Motorrad und alle diskutieren darüber, woher die ominösen Geräusche kommen könnten.
Nachdem sich alle Anwesenden einig sind, dass sich die Motorgeräusche WIRKLICH nicht gut anhören, kriege ich doch ein wenig Angst und beschliesse mein treues Gefährt in die Hände eines Mechanikers zu geben.
Es stellt sich heraus, dass der Kolben und einige Dinge, von denen ich bis Heute keinen Ahnung habe wozu sie gut sind, ausgetauscht werden müssen. So dass ich wohl damit rechnen muss, länger als ein paar Tage hier zu bleiben.
Aber John und Anette laden mich ein, bei Ihnen zu wohnen. Im Gegenzug helfe ich bei den Arbeiten auf der “Finca Rita”.
So vergehen die ersten Tage sehr schnell und ich helfe fleissig bei der Pflaumenernte.
Nach über drei Monaten auf dem Motorrad ist es eine gute Abwechslung mal wieder mit den eigenen Händen zu arbeiten! Der Mechaniker vertröstet mich immer wieder auf Morgen, so dass ich nach der überstandenen 10.000 kg Pflaumenernte auch noch in die Geheimnisse des Traubenanbaus eingewiesen werde. Allerdings bleibt neben der Arbeit noch genügend Zeit, um ein paar Ausflüge mit John und Anette in die Umgebung zu machen und an meinem “Handicap ” zu arbeiten. Mal eine andere Erfahrung bei der Ballsuche auf Schlangen zu treffen….
Nach dreieinhalb Wochen ist es dann endlich soweit und mein “fast” neues Zebra und ich machen uns auf den Weg nach Buenos Aires. Den alten Kolben lasse ich als Aschenbecher zurück und ich kann gerade noch an mich halten nicht einen der Hundewelpen mitzunehmen, die mir in der Zeit neben meinen Gastgebern ans Herz gewachsen sind.
In Dakar Motos treffe ich Sebastian, Chuck und ein paar andere Leute wieder und um Mitternacht bekomme ich einen “Zebra-Schoko-Geburtstagskuchen” überreicht und bin jetzt offiziell 30!
Aber dank vieler netter Grüsse und Wünsche via Internet, den netten Leuten um mich herum, den Erlebnissen der letzten Monate und Denen, die noch kommen werden, verfalle ich in keine “oh Gott ich bin jetzt 30!” Krise!
Und schliesslich gibt es noch weitere Arbeiten an meinem Moped zu erledigen, bis ich wieder unbesorgt weiterziehen kann!
Dakar Motos ist so eine Art Werkstatt, die Reisenden auch als Unterkunft dient.
So verbringe ich (bis jetzt) zwei Wochen damit, mit anderen hier “gestrandeten” Buenos Aires zu erkunden und Pläne über weitere Ziele zu schmieden.
Unter anderem erkunden wir den Friedhof in Recoletta. Die “Gräber” oder eher Gruften, die bis zu drei unterirdische Etagen haben, vermitteln den Eindruck eher in einer Stadt umherzugehen.
Mein Zebra sieht immerhin auch schon wieder aus wie ein Motorrad! Von fehlenden Felgen, Reifen und anderen Kleinigkeiten mal abgesehen!
Und wenn alles gut geht, ist nächste Woche alles fertig und ich kann nach sieben Wochen endlich wieder zurück auf die Strasse!
Also Daumen drücken!!!!!
